Erst die eigenen Hausaufgaben bei der Praxis-Standortsuche erledigen

Bevor Sie sich bei der Praxis-Standortsuche in die heißen Phase begeben, heißt es erst einmal die eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Aus langjährigen Erfahrungen kann ich berichten, dass Mediziner/innen die bereits niedergelassen praktizieren oftmals mit zu geringen Flächenanforderungen = m² sich auf die Suche begeben.

„Für meine Einzelpraxis sollten insgesamt etwa 120 Quadratmeter gut reichen“, teilte mir z.B. eine Leipziger Kinderärztin mit, welche seit 3 Jahren auf 95 m² Praxisfläche ihrer Vorgängerin praktiziert.

Neue Praxisflächen bedeuten einen höheren Mietzins

Meiner Kinderärztin fehlen ein weiteres Untersuchungszimmer und etwas mehr Platz im Labor. Der Rest kann so bleiben. Diese Herangehensweise ist verständlich, besonders aus wirtschaftlicher Sicht. Die bisher 5,75 €/m² Mietzins wird bei der Praxis-Standortsuche im neuen Objekt sicherlich nicht mehr zu erzielen sein. Da tut jeder Quadratmeter mehr langfristig im Praxisbudget mehr weh als bisher.

Doch schaut man genauer hin, ist es nicht nur das fehlende zweite Untersuchungszimmer. In den klassischen „Nachwende-Praxen“ die heute zur Übergabe stehen sind die Nachteile multipel, auch wenn diese unmittelbar nicht immer so offensichtlich ist. Der gemeinsame Nenner lautet hier fehlende Ressourcen in Form von Grundfläche und damit verbunden an fehlenden Funktionsräumen. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Praxisabläufe, die Praxisorganisation und das Betriebsklima.

Jede Fachrichtung hat andere räumliche Funktionen

Und dabei hat jede medizinische Fachrichtung objektiv andere räumliche Anforderungen. Diese sind immer Durchschnittsangaben und resultieren aus praktischen Erfahrungswerten. Was bedeutet – das jeweilige Raumprogramm und damit der jeweilige Flächenbedarf variieren von Fachrichtung zu Fachrichtung. Zunächst gibt es den Standard-Raumbedarf, der für alle ambulanten medizinischen Disziplinen gilt. Das sind u.a. Eingangsbereich, Garderobe, Wartebereich, Empfang, Patienten- und Personal-WC.

Mediziner unterschätzen oft den tatsächlichen Flächenbedarf

Dazu kommen die fachspezifischen Räumlichkeiten in der Praxis-Standortsuche. Bereits an dieser Stelle offenbart sich, dass die eingangs genannter Kinderärztin mit ihrer Vorstellung von einer 120 Quadratmeter großen Praxisfläche offenbar leider Schiffbruch erlitten hätte. Grund: Die einschlägigen Erfahrungswerte besagen, dass eine pädiatrische Facharztpraxis für ihren spezifischen Raumbedarf ca. 150 bis 190 Quadratmeter Fläche benötigt. Dabei zählt die Pädiatrie in dieser Hinsicht nicht mal zu den Spitzenreitern. Der HNO-Facharzt beispielsweise benötigt 216 Quadratmeter, ein Urologe 280 Quadratmeter und ein Zahnarzt 190 Quadratmeter. Ganz weit vorn rangiert die chirurgische Facharztpraxis mit einem Flächenbedarf von durchschnittlich 350 Quadratmetern u.a. für zwei sterile OP-Räume sowie Räumlichkeiten für Vorbereitung und postoperative Überwachung.

Praxis-Standortsuche mit tatsächlichen Flächenbedarf starten

Daher ist es wichtig die Praxis-Standortsuche erst nach der eigenen Analyse zum tatsächlichen Flächenbedarf zu starten. Damit verhindern Sie ein „Stochern im Nebel“ und haben was die Flächengröße anbelangt einen guten Gradmesser. Mit anderen Worten – auf diese Art können Sie kostbare Stunden und einiges an Geld sparen, wenn Sie Flächen außen vor lassen die nicht in ihr Suchraster fallen.

Bei der Standortsuche Spreu vom Weizen trennen

Immer wieder kommt bei Praxis-Standortsuche Mediziner/-in die Frage auf, warum sie sich schon zu Beginn Gedanken über ihr spezielles Raumprogramm machen sollen. Damit würden doch unnötige Hürden aufgebaut, die es nur schwerer machen, das Richtige Objekt zu finden. Das stimmt so leider nicht. Denn genau andersherum wird ein Schuh daraus: Zuerst zählen Funktionalität und objektiv gegebene Anforderungen an die künftige Arztpraxis als wichtigstes Suchkriterium. Dieses trennt nämlich die Spreu vom Weizen und entscheidet – sind die aufgespürten Objekte geeignet oder ungeeignet für die gesuchte Nutzung? Erst wenn das passt, kann man immer noch über ein oder zwei Kompromisse nachdenken.

Praxis-Standortsuche versus K.O.-Kriterien

Neben der notwendigen Grundfläche einer potenziellen neuen Praxisfläche zählen weitere Kriterien in die Auswahl mit hinein. Hierzu kommt als K.O.-Kriterium die Barrierefreiheit, Flucht- und Rettungswege und weitere Kriterien mit hinein.