Welcher Bodenbelag ist für Arzt- und Zahnarztpraxen zugelassen?

Welcher Bodenbelag ist für den Einsatz in Ihrer Arzt- oder Zahnarztpraxis geeignet, welche eher ungeeignet oder sogar verboten?

Um diese Frage zu beantworten zu können, sind einerseits die hygienischen Bestimmungen und Vorschriften für medizinische Einrichtungen und zum Zweiten die technischen Produkteigenschaften sowie Qualitäten der jeweiligen Bodenbelagsarten unter die Lupe zu nehmen.

Individuelle Anforderungen an den Bodenbelag

Darüber hinaus können individuelle Anforderungen an die Qualität, Belagskomfort, Design oder technischen Merkmalen eine ausschlaggebende Rolle bei der Wahl des „richtigen“ Bodenbelags für die Arzt- oder Zahnarztpraxis spielen.

Teppichboden in der Arztpraxis?

Bei der Vielfalt möglicher Fußbodenbeläge zur Verlegung in Arztpraxen unterscheidet man grundsätzlich zwischen „Textilen Bodenbelägen“ und „Nicht-textilen Bodenbelägen“. Beide Arten lassen sich grundsätzlich in Arzt- und Zahnarztpraxen einbringen – jedoch nicht in jeden Funktionsbereich der Praxis. Textile Bodenbeläge können beispielsweise im öffentlichen Praxisbereich wie Eingang, Flure, Wartezimmer, Empfang, Backoffice, Arztbüro und in der Praxisverwaltung verlegt werden.

Hygienische Bestimmungen den Bodenbelag in der Praxis

Die hygienischen Bestimmungen und Vorschriften geben allgemeine Richtlinien vor, welche jedoch je nach Art- und Fachrichtung der jeweiligen Praxis abweichen bzw. erhöhte Anforderungen erfüllen müssen. Nicht-textile Bodenbeläge oder auch als wischbare Hartbeläge bezeichnet finden grundsätzlich in der gesamten Praxis ihren Verwendungszweck. Ausnahmen bilden hier wie immer ambulante OP-Bereiche oder die Instrumentenaufbereitung.

Bodenbeläge sind genormt, klassifiziert und getestet.
Daraus ergeben sich die sogenannten Beanspruchungsklassen, die diese nach Wiederstandfähigkeit und Robustheit des jeweiligen Bodenbelages unterscheiden (Europäische Klassifizierung EN 685). Bei der Wahl nach einem geeigneten Bodenbelag für die Arzt- oder Zahnarztpraxis ist grundlegend nach Bodenbelägen zum Einsatz in gewerblichen Bereichen in der Klasse 31 – 43 zu schauen. Ihr Praxisplaner, Architekt oder Bodenleger sollte Sie dazu gut beraten und Empfehlungen aussprechen.

Darüber hinaus gibt es weitere technische Eigenschaften die Aussagen zum Verschleißverhalten, Resteindruck, Lichtechtheit, Rutschklasse, Stuhlrolleneignung, Chemikalienbeständigkeit, Ableitfähigkeit, Oberflächenvergütung, etc. machen, die je na spezieller Anforderung der Praxis in Betracht gezogen werden müssen.

Was fordert das Gesundheitsamt?

Aus Hygienischer Sicht wird von den Gesundheitsämtern so oder ähnlich folgende Punkte formuliert:

„Fußböden, Arbeitsflächen und Oberflächen von Arbeitsmitteln müssen leicht zu reinigen und beständig gegenüber den verwendeten Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sein.“

„Fußböden müssen rutschhemmend sein. Fugen sofern vorhanden, sind so zu gestalten, dass sie die Reinigung nicht behindern.“

„Auf Teppichböden in den Behandlungsräumen muss grundsätzlich verzichtet werden.“

Hier finden Sie passenden Links:

TRBA 250 – Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen
Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A1.5/1,2)

Hinzu kommen noch Qualitätsmerkmale und technische Eigenschaften. So sollte aus rein wirtschaftlichen Interessen des Betreibers der Bodenbelag für den gewerblichen Einsatz geeignet sein. Weitere Anforderungen an Bodenbeläge in Räumen des Gesundheitsdienstes ergeben sich an die Rutschhemmung als Schutzmaßnahme gegen Ausrutschen in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten: ASR A1.5/1,2 Fußböden.

Hier eine Übersicht zur Unterteilung und Zuordnung von Bodenbelägen:

Textile Bodenbeläge/Teppichboden

  • Webteppiche
  • Tuftingteppiche
  • Nadelvlies
  • Kugelgarn
  • Flotex
  • textile Sauberlaufzonen

Nicht-Textile Bodenbeläge/Elastische Beläge

  • Homogene Kunststoffbeläge
  • Heterogene Kunststoffbeläge (mehrschichtig)
  • Vinyl-Designbeläge
  • Linoleum
  • Kautschuk-Gummibodenbelag
  • Kunstharzböden

Hartbeläge

  • Laminatboden
  • Parkettboden
  • Dielenboden

Mineralische Beläge

  • Keramische Fliesen
  • Terrazzo
  • Naturstein

Nicht jeder der hier aufgeführten Bodenbeläge erfüllt die Voraussetzung in einer Arzt- oder Zahnarztpraxis teilweise oder komplett verlegt werden zu können. Hierbei spielen primär die Eignung des Belags anhand der hygienischen Vorschriften, Richtlinien in Verbindung mit den technischen Produkteigenschaften eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus können zusätzliche Aspekte der Unterhaltskosten, Pflegeaufwand und damit in seiner Langlebigkeit eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Tipp: Machen Sie unbedingt einen Praxistest, bevor Sie sich für einen Bodenbelag entscheiden. Lassen Sie hierzu alle von ihnen verwendeten Reinigungs- und Desinfektionsmittel ca. 24 h auf der Musterprobe einwirken. Wenn das Muster den Test besteht, ist später auch nicht mit Verfärbungen oder Beschädigungen auf der Belagsoberfläche zu rechnen.

Streitpunkt Vinyl-Designbeläge im Untersuchungsraum

Zu einer sehr großen Beliebtheit in Arzt- und Zahnarztpraxen haben es in den letzten 10 Jahren sogenannte Vinyl-Designbeläge geschafft. Diese Art der heterogenen Kunststoffbeläge sind aus technischer Sicht, von ihrer Oberfläche her und den Ansprüchen an ihre hochwertige Holz-, Stein- oder Metalloptik bestens geeignet. Doch aufgrund der zahlreichen Fugen in der Belagsoberfläche ist diese Art von Fußboden in medizinischen Einrichtungen vielen Gesundheitsämtern ein Dorn im Auge.

Die Industrie sagt ja, das Gesundheitsamt nein

Und was nun? Im Praxisalltag kommen trotz der Uneinigkeit über die Fugen zum Einsatz von Vinyl-Designbelägen. Wichtig ist, dass der Betreiber/ die Betreiberin einer medizinischen Einrichtung vorher hierzu ordentlich aufgeklärt wurde. Hierzu noch ein Interessanter Link von IFR Sachverständigenbürogesellschaft für Fußbodentechnik und Raumausstattung mbH LINK