Baukosten für Ihre Arztpraxis: Das Budget für Ihre Praxisgründung – Ermittlung und Planung Ihrer Investition

Die Kosten der Praxisgründung sind einer von drei wesentlichen Punkten, die Sie bei der Planung Ihrer zukünftigen Praxis berücksichtigen sollten. Neben den Kosten sind auch die benötigte Zeit bis zur Eröffnung und die erwarteten Ergebnisse Ihrer Investitionen von großer Bedeutung. Welchen dieser Punkte Sie priorisieren, hängt von Ihren individuellen Umständen und Zielen ab.

Stand: 2026. Ich empfehle, die folgenden Kennwerte als Orientierung zu verstehen und immer mit den konkreten Rahmenbedingungen Ihres Standortes, der Bestandsimmobilie und Ihrer geplanten Nutzung abzugleichen.

Die Baukosten im Fokus

In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die Baukosten, die einen bedeutenden Teil Ihres Budgets ausmachen können. Insbesondere geht es um die Ausbaukosten, die bei der Errichtung einer medizinischen Einrichtung in einer bereits vorhandenen Mieteinheit oder einem gekauften Objekt anfallen.

Gerade in der frühen Projektphase (bis zur Projektentscheidung, Mietvertrag oder Kauf) ist ein belastbarer Kostenkorridor wichtiger als eine scheinbar exakte Zahl. Ich arbeite deshalb bewusst mit Szenarien, weil Bestandsbedingungen, Technikanteil und Ausstattungsstandard die Kosten stark beeinflussen.

Die Struktur der Baukosten

Die Baukosten setzen sich aus verschiedenen Kostenblöcken zusammen, die in Kostengruppen eingeteilt werden können. Hier sind einige der Hauptkostengruppen (typische Beispiele aus dem Praxisausbau):

  • Baukonstruktion:
    • Wände und Trennwandsysteme
    • Decken (Abhangdecken, Revisionsbereiche, Brandschutzanforderungen)
    • Boden- und Wandbeläge (inklusive Untergrundvorbereitung)
    • Innentüren (Schallschutz, Hygieneanforderungen, ggf. Rauchschutz)
    • Fliesenbeläge (insbesondere in Labor, Sanitär, Aufbereitung)
  • Installationsgewerke (in Praxen oft der Kostentreiber):
    • Sanitärinstallationen
    • Lüftungsanlagen / Abluftführung (z. B. innenliegende WCs, Labor, Gerüche)
    • Klimaanlagen (Komfort, Technikräume, sommerlicher Wärmeschutz)
    • Heizungsinstallationen / Heizflächenanpassungen
    • Elektroinstallationen (Leistung, Unterverteilungen, Zusatzkreise)
    • Datenverkabelung (Netzwerk, Praxis-IT, ggf. Zutrittssysteme)
    • Praxisbeleuchtung (Arbeitslicht, Akzentlicht, blendarm)
    • Akustische Maßnahmen (Decken, Wandabsorber, Türen)

Die Kostentreiber sind in Bestandsobjekten häufig nicht die sichtbaren Oberflächen, sondern die technische Anpassung an Nutzung, Bestand und Normen (Leistung, Leitungsführung, Schächte, Lüftung, Brandschutz, Fluchtwege, Barrierefreiheit).

Kostenschätzung nach Nutzfläche

Um die Kosten für den Praxisausbau zu ermitteln, können Sie die Kosten pro Quadratmeter Nutzfläche oder künftiger Praxisfläche berechnen. Diese Berechnung hilft Ihnen, Ihr Budget grob einzuordnen und die nächste Entscheidung (Go, Go mit Risiken, Stop) fundierter zu treffen.

Ich arbeite dabei mit drei Orientierungsstufen. Diese beziehen sich auf Bauwerkskosten (Bau und Technik am Bauwerk) und sind als brutto zu verstehen:

Orientierungsstufe Typischer Kontext Kennwert Bauwerkskosten EUR/m² (brutto)
Basis Einfacher, funktionaler Ausbau, geringe Eingriffe, begrenzter Technikanteil 1.350 bis 1.550
Standard Typischer Praxisausbau im Bestand, ausgewogene Oberflächen und Technik 1.550 bis 1.900
Erhöht Hoher Technikanteil, Klima/Lüftung, besondere Anforderungen, komplexer Bestand 1.900 bis 2.350

Grundfläche Praxis

185 m²

Kennwert EUR/m²

1.550 bis 1.900 € (brutto)

Bauwerkskosten gesamt

286.750 bis 351.500 € (brutto)

Hinweis: Diese Beispielrechnung ist bewusst als Korridor dargestellt. In der Praxis entscheidet vor allem der Technikanteil (Elektro, IT, Lüftung, Klima), die Bestandsqualität (Deckenhöhen, Leitungswege, Schächte) und die Lage der Sanitär- und Funktionsbereiche über das Niveau.

Baunebenkosten nicht vergessen

Die oben genannten Kosten sind nur ein Teil der Gesamtausgaben für Ihren Praxisneubau oder Umbau. Die sogenannten Baunebenkosten sind ebenso wichtig und dürfen nicht übersehen werden. Hierzu gehören Aufgaben, die normalerweise an einen auf Praxisplanung spezialisierten Architekten übertragen werden oder Teil der Vermietervereinbarung sind, falls Ihnen ein fertiger Praxisausbau gemäß Kauf- oder Mietvertrag zugesagt wurde.

Zu den Baunebenkosten gehören zum Beispiel:

  • Bauherrenaufgaben (Entscheidungen, Abstimmungen, Freigaben)
  • Projektleitung und Steuerung (Termine, Kosten, Schnittstellen)
  • Objektüberwachung und Bauleitung
  • Fachplanung für Brandschutz
  • Fachplanung für Tragwerksplanung (falls Eingriffe nötig sind)
  • Fachplanung für technische Ausrüstung (Elektro, Sanitär, Lüftung, Klima)
  • Genehmigungs- und Prüfkosten

Als grobe Orientierung liegen Baunebenkosten in der Praxis häufig im Bereich von 15 bis 25 Prozent der Bauwerkskosten, abhängig von Projektkomplexität und Leistungsumfang. Je unschärfer der Bestand und je höher die technischen Anforderungen, desto wichtiger ist eine frühe, saubere Klärung der Schnittstellen.

Eine Faustregel zur Einschätzung der Baukosten

Bei der Einschätzung der Baukosten für Ihren Praxisausbau sollten Sie Folgendes berücksichtigen:

  • Ich berücksichtige nicht nur die Kosten für die reinen Bauleistungen, sondern auch die Kosten für Planung, Architekten, Baugenehmigung und Statik.
  • Ich hole frühzeitig die Einschätzung von Architekten und Fachplanern ein, um Ihr Vorhaben zu prüfen und grob in Bezug auf Kosten, Risiken und Abhängigkeiten einzuordnen. Ein belastbarer Kostenkorridor am Anfang ist besser als eine zu knappe Budgetplanung.
  • Als aktualisierte Orientierung (Stand 2026) empfehle ich, für Bau- und Baunebenkosten zusammen in vielen typischen Bestandsausbauten einen Korridor von 1.800 bis 2.600 EUR/m² (brutto) anzusetzen. Bei technisch anspruchsvollen Projekten kann der Wert darüber liegen.

Für Projekte wie die Sanierung einer Gründerzeitvilla oder den Neubau inklusive Grundstückserwerb können die Zahlenbeispiele deutlich abweichen. Für viele Praxisgründungen in Bestandsimmobilien ist ein Korridoransatz jedoch die bessere Entscheidungsgrundlage als eine Einzelzahl.

Hinweis vom Autor: Kosten für Praxisausstattung, medizinische oder zahnmedizinische Geräte, IT-Hardware, Umzugs- und Transportkosten sowie die Wiedereinrichtung von vorhandenem Mobiliar sind hier nicht mit enthalten.


Kostenrahmen zur Errichtung von Arzt-und Zahnarztpraxen kennen!

Hier erhalten Sie Unterstützung bei der Ermittlung ihres individuellen Kostenrahmen für die geplante Neuerrichtung ihrer Praxis.

Wenn Sie mir ein paar Eckdaten nennen (Fachrichtung, Fläche, Bestandssituation, Technikbedarf, Zeitrahmen), kann ich Ihnen einen belastbaren Kostenkorridor und die typischen Kostentreiber für Ihr Vorhaben ableiten.

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