Wie bitte? – Schallschutz-Norm für Sprechzimmertüren in der Arztpraxis

  • Vorschrift Sprechhzimmer Schallschutz
  • Arztpraxis Sprechzimmer Türen Norm DIN Schallschutz 4109

Schallschutz ist eines der wichtigsten Funktionsmerkmale einer Sprechzimmertür

In Arzt- und Zahnarztpraxen ist ein ausreichender Schallschutz wichtig. Weshalb? Diskretion, Datenschutz, geringere Störung oder Ablenkung am Arbeitsplatz sowie Ruhe für Patientengespräche. Der Schallschutz ist eines der wichtigsten Funktionsmerkmale einer Sprechzimmertür.

Die akustische Abschirmung zu anderen Räumen und Fluren ist daher nicht nur wünschenswert, sondern seit 1989 in der DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ festgelegt.

Schallschutzklasse 4 (SSK 4) ≥ 42 dB

  • Untersuchungsraum/ Audiometrie (HNO)

„Hinweis: Audiometrie Räume in HNO-Praxen sind mit Schallschutztüren ≥ 42 dB (SSK 4) auszustatten. Die Praxis zeigt, das SSK 4 Tür hohen Erwartungen schüren und erst mit einer zweiten Schallschutztürelement kombiniert, zufrieden stellende Ergebnisse liefert.“

Schallschutzklasse 3 (SSK 3) ≥ 37 dB

  • Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern
  • Fluren und Untersuchungs-/ Sprechzimmern
  • Räumen mit erhöhtem Ruhebedürfnis oder Diskretion
  • ggf. Arztbüro, Praxisverwaltung, Backoffice
  • ggf. Technikräume (Kompressor, Saugmaschine) je nach Lage

Schallschutzklasse 2 (SSK 2) ≥ 32 dB

  • Flure und Krankenräume
  • Operations-, Eingriffs- und Behandlungsräume
  • Behandlungszimmer Dental
  • ggf. Personalraum, Beratungsräume

„Hinweis: In zahnärztlichen Einrichtungen werden Behandlungsräume gerne mit einfachen 8-10 mm ESG Ganzglastüren ausgestattet. Wenn der Kunde*in es so wünscht, Bedarf dies jedoch einer ausführlichen Aufklärung in Bezug auf die DIN 4109.“

Arztpraxis Sprechzimmer Türen Norm DIN Schallschutz 4109

Beispiel Arztpraxis Schallschutz zum Download als PDF

Schallschutzklasse 1 (SSK 1) ≥ 27 dB

  • Türen zu Treppenräumen
  • Praxiseingangstür
  • ggf. andere Funktionsbereiche der Praxis
  • Ohne Anforderung an Schallschutzklassen
  • Funktions- und Nebenräume, Aufbereitung
  • Röntgentüren
  • Standard-Schiebetüren
  • Standard-Ganzglastüren
  • Lager, Archive, Putzmittelraum
  • Umkleideräume
  • Technikräume

Der geforderte Schallschutz wird aber nicht allein vom Aufbau und Gewicht des Türblattes erbracht. Erst durch ein optimales Zusammenspiel von Türblatt, Zarge, Wandöffnung, Beschläge und Bodendichtung erreicht.

Diese Aufzählung ist gleichzeitig eine Liste der möglichen Ursachen, wenn in einem Projekt der errechnete Schallschutzwert nicht erreicht wird.

Erreicht zum Beispiel die Flurwand, der Fußbodenaufbau oder die Deckenkonstruktion nicht den gewünschten Mindestschalldämmwert von >47 dB, oder ergeben sich aufgrund von Konstruktionsmängel sogenannte Schallbrücken, so macht der Schall einen „Bogen“ um die Schallschutztür.

Praxistüren ohne Schallschutzanforderungen

Türen ohne Schallschutzanforderungen sind Innentüren zu Nebenräumen wie Lager, Archive, WC-Vorräume, Umkleiden usw. die über ein Lüftungsgitter oder Spalt zum Boden die notwendige Zuluft (Luftverbund) über Praxisflure oder andere angrenzende Räume beziehen. Eine weitere Ausnahme bildet die Tür zum Röntgenraum, hier ist der Sicht und Sprechkontakt zwischen Patienten und MFA gefordert. Dies erfolgt in der Regel über eine Öffnung im Türblatt mit vorgesetzten Strahlenschutzglas.

Tipp: Sieht das Lüftungskonzept einen Luftverbund einzelner Räume vor, so müssen Räume mit Anforderungen an der Schallschutz ggf. schallgedämmten Lüftungsgitter erhalten, damit die Innentüren weiterhin dicht schließen können.

Norm – Schallschutz in der Arzt- und Zahnarztpraxis2021-02-15T12:08:02+01:00

Anforderungen an die Luft- und Trittschalldämmung zwischen Räumen in Krankenhäusern und Sanatorien gem. DIN 4109-1:2018-01 Tab. 5:

BauteileAnforderungen
R´w dB

Decken

Decken, einschließlich Decken unter Fluren≥ 54
Decken unter Bädern und WCs ohne/mit Bodenentwässerung≥ 54

Wände zwischen≥ 47
Krankenräumen
Fluren und Krankenräumen
Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern
Fluren und Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern
Krankenräumen und Arbeits- und Pflegeräumen

Wände zwischen Räumen mit Anforderungen an erhöhtes Ruhebedürfnis und besondere Vertraulichkeit (Diskretion)


≥ 52
Wände zwischen≥ 42
Operations- bzw. Behandlungsräumen
Fluren und Operations- bzw. Behandlungsräumen

Türen zwischen≥ 37
Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern
Fluren und Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern


Türen zwischen Räumen mit Anforderungen an erhöhtes Ruhebedürfnis und besondere Vertraulichkeit (Diskretion)


≥ 37
Türen zwischen≥ 32
Fluren und Krankenräumen
Operations- bzw. Behandlungsräumen
Fluren und Operations- bzw. Behandlungsräumen

Hinweis:

Achten Sie bei Praxisneubauten auf die vertragliche Vereinbarung zu den Qualitäten und Eigenschaften von Wänden, Decken und Türen gemäß DIN 4109-1:2018-01 Tab. 5 für Räume in Krankenhäusern und Sanatorien.

2021-03-10T11:31:57+01:00

12 Kommentare

  1. Sigrun Gresikowski 2. April 2012 um 17:13 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Gibt es für ein Gebäude aus den 1950er Jahren mit ununterbrochener ZA-Praxisnutzung eine baurechtliche Richtlinie für die Beschaffenheit der Eingangstür (Sicherheitsschloß ist vorhanden). Ich suche u. telephoniere schon den halben Tag erfolglos….
    Mit freundlichen Grüßen
    S. Gresikowski

  2. Holger Brummer 3. April 2012 um 12:18 Uhr - Antworten

    Guten Tag, sehr geehrte Frau Gresikowski,

    aus welchem Anlass stellt sich Ihnen die Frage zu baurechtlichen Hinweisen einer Eingangstür.
    – aus Rettungswegs- und baulichen Brandschutzgründen? Findet eine Umnutzung der Fläche statt?
    – aus Sicherheits- und Versicherungsgründen?
    – aus sonstigen bauphysikalischen Gründen wie Klimaklasse, Schalldichtheit oder sonstige…..?

    Welchen Bezug gibt es zur Nutzung als Zahnarztpraxis? Wir die Fläche weiterhin als Zahnarztpraxis genutzt.

    Mit besten Grüßen aus Leipzig.
    Holger Brummer – PraxenProfi®

  3. Uta Berges 1. Februar 2017 um 21:38 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich benötige einen Schallschutz an meiner Praxistür. Die vorhandene Tür ist 98 cm Breite x 210 cm Länge (Außenmaße). Was würden Sie empfehlen? Bitte die Informationen ruhig gleich mit Kostenvoranschlägen.

    Vielen Dank im voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. Holger Brummer 7. Februar 2017 um 21:30 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Frau Berges,

    vielen Dank für das aufschlussreiche Bild, dem ich entnehme, dass es sich bei der Wand um eine 100mm starke Gipskartonwand handelt, welche im ungünstigen Fall mit nur einer Lage 12,5mm Gips je Seite errichtet wurde.
    Beim Thema Schallschutz ist das schwächste Glied in der Konstruktionskette entscheidend. Eine Investition in eine geprüfte Schallschutztür und tausch der Türzarge ist daher nicht die Lösung.

    Die einfachste Variante ist der Tausch des Türblattes gegen ein Vollspantürblatt mit Schall-EX-Bodendichtung. Damit erzielen sie eine 4-seitige Abdichtung im geschlossenen Zustand. Mehr ist dann auch nicht zu machen. Diese Leistung können sie sich von jedem regionalen Ausbau-Unternehmen anbieten lassen, oder vielleicht auch über die Hausverwaltung!?

    MfG Holger Brummer

  5. Christine Thiermann 21. Februar 2019 um 13:59 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren, seit erst zwei Wochen haben wir unsere neuen Praxisräume bezogen und bemerken nun, dass der Schallschutz aus den Behandlungszimmern zum Wartebereich nicht ausreichend ist. Es handelt sich um ein Niedrigenergiehaus, und uns war nicht klar, dass die Türen unten einen großen Spalt zur Luftzirkulation haben. Diese dürfen daher nicht dauerhaft abgedichtet werden. Wir suchen nun nach einer Lösung, die Türen tags dicht zu haben und nach der Sprechstunde wieder die Luftzirkulation zuzulassen (einfach auflassen geht nicht, da wir eine Praxengemeinschaft mit unterschiedlichen Sprechzeiten sind). Gibt es dafür Vorrichtungen oder Ideen? Herzlichen Dank, Christine Thiermann

  6. Holger Brummer 1. März 2019 um 20:33 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Frau Dr. Thiemann,

    für Praxisflächen mit einem notwendigen Luftverbund zwischen den Räumen gibt es als Lösungsansatz schallgedämmte Lüftungsgitter, welche in den betreffenden Zwischenwänden oder ggf. Türelementen vorgesehen werden. Dies ist ihrer Beschreibung nach nicht erfolgt.

    Hierzu muss nun geprüft werden, dass die betreffenden Türelemente zu dem Sprech- und Untersuchungszimmer den Schallschutzanforderungen nach DIN 4109 Teil 1 entsprechen. Da dies mit dem beschriebenen Türspalt konstruktiv nicht gegeben ist, gilt es die Türelemente zu tauschen.

    Die Luftzirkulation kann dann nur über schallgedämmte Lüftungsgitter erfolgen.

    Freundliche Grüße,
    Holger Brummer

  7. Harald Riechert 1. Juli 2019 um 22:56 Uhr - Antworten

    Thema Schallschutz in Arztpraxen,

    Sehr geehrter Herr Brummer,
    die Ausführungen zu Schallschutz Sprechzimmertüren sind von 2009, wenn ich das richtig gesehen habe. Ist das noch der aktuelle Stand ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Harald Riechert

  8. Holger Brummer 26. Juli 2019 um 16:06 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Riechert,

    es gibt eine Aktualisierung der DIN 4109-1:2016-07, welche unverändert für Wände zwischen Untersuchungs- und Sprechzimmern bzw. Fluren und Untersuchungs- bzw.
    Sprechzimmern ≥ 47 dB erf. R’W vorsieht.

    Für Sprechzimmertüren gilt nach wie vor ≥ 37 dB erf. R’W.

    Freundliche Grüße,
    Holger Brummer

  9. Kai Wachter 6. Januar 2021 um 21:08 Uhr - Antworten

    Hallo Hr. Brummer,

    wir haben eine Praxis angemietet. Die Schallmessung ergab auch für die Wände unter 38 dB, die Tür, eine ESG Tür 33 dB.

    Die den Schallschutz messende Firma hat uns allerdings erklärt es gäbe KEINE DIN Noorm fü+r Arztpraxen, nur für Krankenhäuser.

    Wo kann man den ihre oben beschriebenen Werte nachlesen ?

    Freundliche Grüße

    Kai Wachter

    • Holger Brummer 7. Januar 2021 um 9:14 Uhr - Antworten

      Hallo Herr Wachter,

      als öffentlich-rechtliche Mindestanforderungen für die Arztpraxis an den baulichen Schallschutz sind die Anforderungswerte der DIN 4109 zu verstehen, welche nicht unterschritten werden dürfen.
      Hierzu sind mir entsprechende gerichtliche Gutachten bekannt, welche zur Klärung und Feststellung des mangelnden Schallschutzes in angemieteten Arztpraxen erstellt worden sind.

      Wenn Geräusche zwischen den Sprechzimmern und Empfang, als auch zwischen Sprech- und Untersuchungszimmern oder Fluren hörbar sind, ist die Vertraulichkeit der Gespräche zwischen Ärztin und Patienten nicht gewährleistet.

      Tabelle 1: erforderlich R’W nach DIN 4109, Tab. 3
      Wände zwischen: (erforderliches Bau-Schalldämm-Maß erf. R’W = ≥ 47 dB)

      – Untersuchungs- und Sprechzimmern
      – Fluren und Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern

      Türen zwischen: (erforderliches Bau-Schalldämm-Maß erf. R’W = ≥ 37 dB)
      – Untersuchungs- und Sprechzimmern
      – Fluren und Untersuchungs- bzw. Sprechzimmern

      Schallschutz in der Arztpraxis ist oftmals ein heikles Thema, gerade wenn Praxisflächen nachträglich im Bestand errichtet wurden. Als Beispiele sind die Umnutzung von Wohnraum oder Büroflächen in Praxisflächen zu nennen. Bei Umbauten im Bestand können oder werden oftmals aus technologischen und wirtschaftlichen Gründen die Bauteile nicht bis zur letzten Konsequenz schallentkoppelt und entsprechend fachgerecht neu errichtet.

      Es gibt in der Regel eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Nachbesserung und Optimierung der Schallschutzsituation. Diese Punkte zu identifizieren ist dann die Aufgabe eines Sachverständigen.

      Wenn ihnen ihr Vermieter gewerbliche Räume als Praxisräume vermietet, dann hat dieser dafür Sorge zu tragen, dass diese den öffentlich-rechtlichen Mindestanforderungen genügen.

      *Dies ist keine Rechtsberatung. Eine verbindliche Klärung rechtlicher Fragen ist durch einen Rechtsanwalt vorzunehmen.

  10. Dieter Noske 3. Februar 2021 um 9:37 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    habe grad neue Praxisräume bezogen, es gibt Probleme mit dem
    Schallschutz….

    Gibt es Gutachter, die das objektivieren können?

    mfg D.Noske

    • Holger Brummer 3. Februar 2021 um 9:41 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Noske,

      es gibt Gutachter, die zur Beurteilung bestellt werden können:
      „Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Ingenieurkammer [Bundesland XY] für Bauakustik“

      Aufgabenstellung kann lauten:
      „Bauakustische Prüfung der Luftschallübertragung von Wänden mit Türen am Objekt Arztpraxis XY“

      Die Frage ist, ob es gleich ein öffentlich bestellter Gutachter sein muss, oder tut es einfach ein Bausachverständiger der nach den möglichen Ursachen der derzeitigen Schallschutzprobleme sucht, bzw. diese identifiziert.

      Mit den Ergebnissen der Überprüfung könnten Sie dann gegenüber dem Vermieter, Bauträger oder Bauunternehmen ggf. anwaltlich zur Mangelbeseitigung auffordern.

      Viele Grüße aus Leipzig,
      Holger Brummer

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