(In)direkte Vorschrift: Putzraum in Arzt- und Zahnarztpraxen

Bei der Konzeption von Praxisflächen ist eine optimale Zonierung des Praxisgrundrisses in Arztbereiche, der medizintechnische und Besucherbereiche für die spätere Praxisorganisation von elementarer Bedeutung. Im Detail gehen dabei ausreichend Flächenressourcen oder eigenständige Funktionsbereiche für Lager- und Putzraum oftmals unter. Arbeitsstättenrichtlinien, Hygiene- und Sicherheitsvorschriften führen nicht alle Räume und Funktionen zur Errichtung und dem Betrieb einer medizinisch ambulanten Einrichtung explizit vor. Oftmals zieht der Praxischef*in selbst die Konsequenz aus Anforderungen und Richtlinien oder nutzt einfach die Erfahrungswerte aus dem Praxisleben.

Hygieneanforderung und Putzraum

Einer hygienegerechten Ausstattung einer Arztpraxis liegen zahlreiche rechtliche Vorgaben zugrunde, wie Infektionsschutzgesetz (IfSG), TRBA 250, Biostoffverordnung (BioStoffV) und Veröffentlichungen des RKI und die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) zur Flächendesinfektion oder der Aufbereitung von Medizinprodukten.

Muss es in jeder Praxis einen separaten Raum für die Putzgeräte inklusive eines für Wischwasser und Reinigungsmittel vorgesehenem Ausgussbecken geben?

 


Fallbeispiele:

  • Übergibt sich ein Patient in der Praxis, muss der Boden und die betreffenden Oberflächen gereinigt und desinfiziert werden. Die verwendeten Reinigungsutensilien und das Wischwasser sind damit kontaminiert. Wenn in der Praxis keinen besonderen Raum oder Ort vorgesehen ist, und das Wischwasser auf dem Personal-WC oder in einem Spülbecken entsorgt wird, sind diese Bereiche automatisch kontaminiert.
  • Gibt es kein separates Ausgussbecken zum Füllen und Entleeren des Wischwagens oder Putzeimer, werden dafür zwangsläufig vorhandene Spülbecken mit „hoher Armatur“ zum befüllen der Eimer zweckentfremdet. Spülbecken befinden sich in einer Praxis meist in Laboren, Steri- oder im Personalraum. Diese Funktionsbereiche werden somit zwangsläufig kontaminiert.

Nachfrage zum Putzraum beim Gesundheitsamt:

Im IfSG wird die Verantwortung für eine konsequente und gründliche Vermeidung der Krankheitsverbreitung dem Leiter der Einrichtung, in einer ambulanten Arztpraxis dem Praxischef, zugeschrieben und dessen Eigenverantwortung klar betont. Aber eine gesetzliche Auflage, wie ein Funktionsraum für die Aufbewahrung von Reinigungsutensilien auszusehen hat und wo er sich in der Praxis befinden soll, existiert nicht. Verlangt wird eine separate (von den restlichen Praxisräumen getrennte) Reinigungswasser-Entnahme und Schmutzwasser-Entsorgung.

Bei der Praxisplanung gibt es also zwei Möglichkeiten.

Der Putzraum kann entweder ein klar abgetrennter Bereich innerhalb eines Raumes sein oder ein separater Raum, wie ein Arbeits- oder Putzraum mit Spülzeile, Ausguss, Waschbecken mit Hygieneausstattung und Stauraum für Reinigungsgeräte und -mittel.

Entscheidet man sich, auch aus wirtschaftlichen Gründen, für eine Ecke-im-Raum- Lösung, entsteht ein offenkundiger Nachteil: Im Praxisalltag besteht die Gefahr einer Durchmischung der wohlmeinend getrennt geplanten Bereiche. So zum Beispiel beim Entleeren der Wischeimer – oder wenn Handwerker in der Praxis arbeiten und Wasser benötigen.

 


Empfehlung für Lager-/Putzräume:

  1. Lagermöglichkeiten für den Praxisbedarf und z. B. auch Modelle sollten langfristig zur Planung kommen, denn hier hat sich aus Erfahrung gezeigt, dass dieser Raum häufig knapp bemessen ist.
  2. Wichtig ist die sachgerechte Lagerung von Gefahrstoffen.
  3. Die Unterbringungsmöglichkeiten der Putzgeräte und -mittel für die Reinigungskraft müssen berücksichtigt werden.
  4. Ausreichende Be- und Entlüftung zur Trocknung der Reinigungsgeräte und Textilien

 

Bei der Planung neuer Praxisflächen ist ein separater Raum für Reinigungsgeräte und -wagen mit einer ausreichend großzügigen Möglichkeit, Eimer zu füllen und entleeren zu empfehlen.

Ein Putzraum kann separat als eigener Funktionsraum, innerhalb einer Lagerfläche oder im Vorraum eines Personal-WCs als separater Bereich geplant werden.

Nicht zu vergessen ist die Planung einer Be- und Entlüftung, um zu verhindern, dass feuchte Wischgeräte vor sich hin dunsten und Keime darin vermehren können.

Bild von Manfred Richter auf Pixabay