Der optimale Praxisgrundriss

Viele meiner Kunden denken bei Neubau oder Umbau ihrer Praxisräume gleich zuerst an die Farbgestaltung der Praxis-Fußböden, an die Wandgestaltung im Wartezimmer oder an die Materialien der Behandlungsmöbel. Diese Vorstellungen sind wichtig und werden von jedem guten Praxisplaner für den späteren Planungsfortschritt unbedingt festgehalten. Doch ganz zum Anfang jeder Praxisplanung liegt das Hauptaugenmerk auf einer optimalen, funktionalen und damit nachhaltig wirtschaftlichen Entwurfsplanung für ihre künftigen Praxisräume – zum optimalen Praxisgrundriss.

Prüfe ob der Standort geeignet ist.

Zunächst steht die Frage, ob es sich bei dem neuen Praxisstandort schon um eine Gesundheitsimmobilie, um ein Geschäftshaus oder ein sonstiges Objekt handelt. Man setzt sich also zuerst mit dem Gebäude auseinander und muss prüfen, ob es für die notwendigen funktionalen Anforderungen der künftigen Arztpraxis geeignet ist.

Bei der Bewertung baulicher und planungstechnischer Voraussetzungen einer Immobilie darf das Stichwort „Barrierefreiheit in der Arztpraxis“ nicht fehlen. Denn diese ist mittlerweile Pflicht – gerade beim Neubau einer Praxis.

Grundlagenermittlung und Vorplanung.

Diese „Grundlagenermittlung Gebäude“ heißt, im ersten Schritt festzustellen, welche planerischen Möglichkeiten gegeben sind und wo die strukturellen und technischen Grenzen liegen.

Im Gegensatz zu einer solchen Bestandsimmobilie stehen beim Neubau eines Ärztehauses oder beim Neubau individueller Praxisräume in der Regel flexiblere Schnittstellen und Rahmenbedingungen zur Verfügung. Wenngleich auch beim Neubau bestimmte Grenzen gesetzt sind.

Raumprogramm und Praxisorganisation und optimale Praxisabläufe.

Im nächsten Schritt gilt es, die Anforderungen an Raumprogramm und Praxisorganisation aufzunehmen. Erst daraus resultieren letztlich optimale Praxisabläufe. Darüber hinaus werden natürlich auch individuelle Vorstellungen eingebunden wie eine separate WC-Anlage mit Dusche für den Arzt, Arztbüro mit Ruhezone, Sozialraum für die Mitarbeiter bis zum Technikraum für den Server.

All diese Gebäudeinformationen, dazu die nutzerspezifischen Anforderungen sind nun mit den gesetzlichen Vorgaben, Vorschriften und Richtlinien in Einklang zu bringen. Welche baurechtlichen Vorschriften für eine Arztpraxis gelten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen natürlich von der jeweiligen Facharztrichtung. Zum anderen von den entsprechenden Bestimmungen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Zeitliche Zwänge und wirtschaftliche Interessenlagen führen zu hohem Zeit- und Kostenaufwand.

Diese sogenannte Vorphase bezeichnet man auch als Machbarkeitsprüfung. Sie wird meist unterschätzt, oftmals aus Unwissenheit oder zeitlichen Zwängen und wirtschaftlichen Interessenlagen (z.B. Abschluss eines Mietvertrags) schlichtweg sogar übergangen oder hinausgeschoben. Daraus kann sich bei ungünstigen Konstellationen schnell eine brenzlige Situation entwickeln, die dann mindestens einem der Projektbeteiligten auf die Füße fällt. Oder mit hohem Zeit- und Kostenaufwand wieder geradegerückt werden muss.

Die optimale Planung einer Arztpraxis orientiert sich an den Raumfunktionen der jeweiligen Bereiche für die Praxisbesucher, für den Arzt und für die Praxisassistenz. Maßgebend für die Planung sind außerdem die individuellen Handlungsabläufe der Praxis – bezogen auf die Tätigkeiten der Assistenten, des Arztes bis hin zu Qualitätsmanagement und Hygienevorschriften.

Die Frage nach dem optimalen Praxisgrundriss

Um es auf einen kompakten Nenner zu bringen, lässt sich die Frage nach dem optimalen Praxisgrundriss für eine medizinische Einrichtung so beantworten: „Der optimale Grundriss für eine Arztpraxis ist ein guter Kompromiss. Dieser ergibt sich aus rechtlichen Anforderungen, vorhandenen Rahmenbedingungen, individuellen Handlungsabläufen der Praxis bis hin zum verfügbaren Investitionsrahmen.“

Denkbar ist übrigens auch, für die Planung der Arztpraxis Modell-Grundrisse zurate zu ziehen. In jedem Fall tragen aber die Klärung der Rahmenbedingungen und der Entwurf einer Vorplanung entscheidend zu einem optimalen Praxisgrundriss bei. Um einigermaßen sicher zu gehen, dreht sich letztlich alles um die Frage: Ist der vorliegende Entwurf bei den gegebenen inhaltlichen, zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ein optimaler Entwurf, um meine künftige Praxis wirtschaftlich führen zu können?

Die perfekte Praxisgestaltung ersetzt keine Versäumnisse im Vorfeld.

Alles weitere, beispielsweise die Gestaltung der Praxisräume, das Farbkonzept z.B. für die Praxisanmeldung und insgesamt für die Praxisausstattung, transparente Glaselemente, die Praxisbeleuchtung bis hin zur Wartezimmereinrichtung oder Wandschutz für Wartezimmerstühle zählt zu den individuellen Merkmalen des Praxiskonzeptes. Auch wenn diese Dinge perfekt sind, können sie auf lange Sicht mögliche Versäumnisse in Bezug auf wirtschaftliche Handlungsabläufe, auf die geforderte Diskretion oder ganz banal auf die tägliche Praxisreinigung einfach nicht wettmachen.